Digitale Kriegsgräberkarte
Kriegsgräberstätten sind mehr als nur geografische Punkte auf einer Karte. Sie sind Mahnmale gegen das Vergessen, Zeugnisse der Geschichte und Ausdruck unserer Verpflichtung gegenüber den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Jeder Grabstein erzählt eine Geschichte – von Verlust, von Schmerz, aber auch von Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.
Landkreis Harz – Gräber auf dem Gelände der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge OT Langenstein
Auf dem Gelände der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge befinden sich die sterblichen Überreste von vermutlich 998 größtenteils namentlich bekannten KZ-Häftlingen. Nachgewiesen wurden bisher 298 Polen, 171 Angehörige der Sowjetunion, 154 Franzosen, 73 Ungarn, 46 Deutsche, 37 Italiener, 34 Niederländer, 33 Belgier, 33 Tschechen, 29 Jugoslawen, acht Österreicher, drei Griechen, drei Albaner und drei Spanier. Die Menschen kamen zwischen dem 12.05.1944 und dem 19.04.1945 ums Leben.
Das KZ Langenstein-Zwieberge war ein Außenlager des KZ Buchenwald. Die dorthin verlegten Häftlinge sollten eine Untertageanlage zur Verlagerung von Rüstungsproduktion errichten. Vom April 1944 bis zum April 1945 mussten hier mehr als 7.000 Häftlinge aus mindestens 30 Ländern unter furchtbarsten Bedingungen leben und in den nahegelegenen Thekenbergen ein Netz von Stollengängen in den Berg treiben.
Während die Toten des Lagers in den ersten Monaten noch in das nahe gelegene Quedlinburg zur Einäscherung gebracht und dort auch bestattet wurden (siehe Eintrag Zentralfriedhof Quedlinburg), wurden sie vermutlich ab März 1945 in fünf unmittelbar an der Lagergrenze angelegten Massengräbern verscharrt. Bisher konnten an diesem Ort 761 Bestattungen ermittelt werden.
Zudem wurde eine Person, über die keine weiteren Details bekannt sind, an einer unmittelbar östlich des Lagers sich befindenden (Todes-)Kiefer begraben. Bei vor einigen Jahren durchgeführten Grabungen wurden sterbliche Überreste gefunden.
Am 09.04.1945 wurde das Lager geräumt. Entlang der Routen der sechs Kolonnen des Todesmarsches mit jeweils ca. 500 Personen, die u. a. bis in das Anhaltische (Prettin bzw. Wittenberg) bzw. nach Genthin führten, befinden sich bis zum heutigen Tag dutzende Grabstätten mit an ihren Krankheiten und der Schwäche verstorbenen bzw. von ihren Bewachern ermordeten Häftlingen. Nur wenige Menschen überlebten die Entbehrungen und Qualen des Todesmarsches.
Viele der aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes zurück gebliebenen Häftlinge – ca. 1.400 Menschen – verstarben in den folgenden Tagen. Als US-Soldaten das Lager am 11.04.1945 erreichten, fanden sie tote und völlig entkräftete Menschen vor. Auf Befehl der US-Soldaten mussten – ähnlich wie in Gardelegen – Bewohner des Ortes in den nächsten Tagen die Toten auf dem Lagergelände in einem im Bau befindlichen Löschbecken begraben. Es entstand das sogenannte südliche Massengrab. Mindestens 237 Menschen fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
Auch unter den von den US-Soldaten nach ihrer Befreiung nach Halberstadt zur medizinischen Versorgung verbrachten ehemaligen Häftlingen hörte das Sterben nicht auf (vgl. Eintrag städtischer Friedhof Halberstadt sowie sowjetischer Ehrenhain Halberstadt-Spiegelsberge).
Bereits am 11.09.1949 wurde anlässlich einer vom Land Sachsen-Anhalt durchgeführten zentralen Gedenkveranstaltung ein schlichtes Mahnmal am Ort des ersten Massengrabes eingeweiht und das südliche Massengrab gekennzeichnet. Damit ist die Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge eine der ältesten KZ‑Gedenkstätten in Deutschland.
Ende der 1960er Jahre wurde das Gräberfeld mit großem Aufwand zu einer monumentalen Anlage für Großveranstaltungen im Sinne des DDR-Antifaschismus umgestaltet. Dabei wurde u. a. der Hang, an dem sich das erste Massengrab befand, zu einem Plateau erhöht, auf das eine große Treppe führt. An deren linker Seitenwand befindet sich unterhalb einer Flammenschale der Spruch:
„Niemand
hat das Recht zu vergessen –
und niemand darf vergessen –
um des Lebens
und der Menschheit
Willen“
In der zentralen Achse des Plateaus wurde eine große Stele mit folgender Inschrift aufgestellt:
„Tretet vor
Für einen Augenblick
Unbekannte, verdeckten Gesichts und empfangt
Unsern Dank.“
Der Text ist ein Zitat aus dem Stück „Die Maßnahme“ von Bertold Brecht. In dem im Jahre 1930 geschriebenen Stück geht es um die Frage, ob kommunistische Agitatoren einen Genossen, der sich nicht immer an die Taktik der Agitatoren gehalten hatte, ermorden durften und ob die „Maßnahme“ gerechtfertigt war.
Nach 1990 wurde die Gedenkstätte inhaltlich neu konzipiert. Das unter Einbeziehung von noch lebenden ehemaligen Häftlingen erarbeitete Konzept für das Gräberfeld sah unter Beibehaltung von wichtigen Elementen der DDR-Architektur vor allem einen Rückbau mit dem Ziel vor, die Massengräber wieder vollständig erkennbar werden zu lassen. Die Gräber wurden durch Steine, die aus der – nie fertig gestellten – Untertageanlage stammen, in ihren Dimensionen gekennzeichnet. An den Kanten des Massengrabes wurden in einem umlaufenden Band kleine Metalltafeln mit den Namen der hier Bestatteten angebracht. Das umgestaltete Gräberfeld wurde 2011 eingeweiht.
Angaben zur Grabstätte
- Landkreis/Kreisfreie Stadt
- Landkreis Harz
- Ort des Grabes
- Gräber auf dem Gelände der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge OT Langenstein
- Adresse
- Vor den Zwiebergen 1
38820 Halberstadt
Angaben zur verantwortlichen Stelle
- Name des Kontaktes
- Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge OT Langenstein
- Adresse
- Vor den Zwiebergen 1
38895 Halberstadt - info-langenstein@erinnern.org
- Telefon
- 03941/567326
- Fax
- 03941/30248





