Digitale Kriegsgräberkarte
Kriegsgräberstätten sind mehr als nur geografische Punkte auf einer Karte. Sie sind Mahnmale gegen das Vergessen, Zeugnisse der Geschichte und Ausdruck unserer Verpflichtung gegenüber den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Jeder Grabstein erzählt eine Geschichte – von Verlust, von Schmerz, aber auch von Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.
Landkreis Börde – Jüdischer Friedhof bei Hillersleben
Auf einem Sonderfriedhof bei Hillersleben ruhen 136 namentlich bekannte und fünf unbekannte ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mit vorrangig ungarischer Nationalität, davon 136 jüdischen Glaubens.
Wenige Tage nach ihrer Befreiung wurden die Überlebenden des „gestrandeten Zuges“ (vgl. auch den Eintrag zum Friedhof Farsleben) – insbesondere jüdische Häftlinge aus Ungarn – von US-amerikanischen Soldaten und Einheimischen nach Hillersleben auf das Gelände des ehemaligen Schieß- und Versuchsplatzes der deutschen Wehrmacht verbracht. Trotz der hier möglichen medizinischen Versorgung starben bis zum Juli 1945 noch 141 jüdische Menschen an den Folgen von Krankheiten und Unterernährung. Sie wurden im ehemaligen Park der Wohnsiedlung in bereits vorhandenen Splittergräben bzw. Gruben bestattet. Ihre Gräber erhielten zumeist einfache Tafeln aus Holz, aber auch Grabsteine aus Stein.
Anfang Juli 1945 übernahmen sowjetische Truppen den ehemaligen Schieß- und Versuchsplatz in Hillersleben, lösten das Lager auf und richteten hier einen Garnisonsstandort ein. Den Friedhof mit den verstorbenen ehemaligen KZ-Häftlingen pflegten sie nicht weiter. Schließlich wurde der jüdische Friedhof eingeebnet und darauf ein Sportplatz errichtet.
Erst nach dem Abzug der Roten Armee konnte der Friedhof 1996/1997 wieder hergerichtet werden.
Auf einer Gedenktafel ist folgender Text zu lesen:
„AN DIESEM ORT RUHEN
136 NAMENTLICH BEKANNTE UND 5 UNBEKANNTE
EHEMALIGE JÜDISCHE HÄFTLINGE DES KONZENTRATIONSLAGERS BERGEN-BELSEN,
DENEN SICH DAS TOR ZUR FREIHEIT
HIER IN HILLERSLEBEN AUFTAT,
ABER NUR, UM ALS FREIE MENSCHEN
DURCH DAS TOR DES TODES ZU GEHEN‘.
DIE BESTATTUNGEN ERFOLGTEN IN DEN MONATEN
APRIL, MAI, JUNI, JULI 1945.
SCHON BALD DARAUF WURDE DER FRIEDHOF ZERSTÖRT
UND ERST 1996 – 1997 WIEDER HERGESTELLT.
MÖGEN SIE BEI GOTT GEBORGENHEIT FINDEN
UND IM GARTEN IHRE RUHE.
MÖGEN SIE IN FRIEDEN RUHEN
BIS ZU IHRER AUFERSTEHUNG AM ENDE DER TAGE.
AMEN.“
Angaben zur Grabstätte
- Landkreis/Kreisfreie Stadt
- Landkreis Börde
- Ort des Grabes
- Jüdischer Friedhof bei Hillersleben
- Adresse
39326 Wolmirstedt
Angaben zur verantwortlichen Stelle
- Name des Kontaktes
- Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt
- Adresse
- Steinigstraße 7
39108 Magdeburg - lvjgsa@jghalle.de
- Telefon
- 0391/5616022
- Fax
- 0391/5432027





